Lohnkosten: Arbeitskosten in Deutschland über dem EU-Schnitt

Münzen auf einer Finanz-ChartDie Arbeitskosten bilden in einer Volkswirtschaft einen wichtigen Faktor für internationale Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland gilt traditionell als Land mit relativ hohen Arbeitskosten. Dass die deutsche Wirtschaft trotzdem immer neue Exporterfolge erzielt, war bisher vor allem der überdurchschnittlichen Arbeitsproduktivität zu verdanken. Sie konnte den Kostennachteil des Faktors Arbeit mehr als ausgleichen.

Hohes, aber kein extremes Arbeitskosten-Niveau

Betrachtet man die Arbeitskosten im letzten Jahr in den einzelnen EU-Staaten, nahm Deutschland mit Rang acht einen der vorderen Plätze ein, aber keine Spitzenposition. In sieben Ländern waren die Kosten noch höher – am höchsten in Schweden -, in 19 Staaten dagegen niedriger. Mit einem durchschnittlichen Kostensatz von 31 Euro/Stunde liegt Deutschland jedenfalls über dem EU-Schnitt von 23,60 Euro/Stunde. Dabei gibt es deutliche Unterschiede je nach Wirtschaftsbereich. So waren Industriearbeitsplätze mit 35,10 Euro/Stunde deutlich teurer als Stellen im Dienstleistungssektor. Hier betrugen die Kosten nur 28,40 Euro/Stunde. Bei den Kostensätzen sind Nettolöhne und Lohnnebenkosten (hier ein Infolink zur Senkung der Lohnnebenkosten) einbezogen.

Gebremste Kostenentwicklung über Jahre

Interessant ist die Analyse der Kostenveränderung im Zeitablauf. In Deutschland sind die Arbeitskosten seit dem Jahrtausendwechsel über etliche Jahre nur unterdurchschnittlich gestiegen. Die Arbeitsmarkt- und Sozialreformen der letzten Bundesregierungen haben sich entsprechend bemerkbar gemacht. Noch ausgeprägter zeigt sich das bei den Lohnstückkosten, die auch die Produktivität mit berücksichtigen. Deutschlands Kostenposition hat sich damit – von einem hohen Ausgangsniveau aus – im Verhältnis zu den europäischen Nachbarn kontinuierlich verbessert. Die Wettbewerbsfähigkeit ist deutlich gestiegen. Dies ist neben der Qualität der Produkte ein wesentlicher Erklärungsfaktor für den deutschen Exporterfolg und die günstige Arbeitsmarkt-Entwicklung. In diesem Jahr kehrte sich das Bild offenbar erstmals um. Die deutschen Arbeitskosten steigen stärker als im EU-Durchschnitt.

Trendwende zu sehen?

Ob es sich dabei um eine grundlegende Trendwende handelt, bleibt abzuwarten. Die Entwicklung wird durchaus differenziert bewertet. Während einige um die Fortdauer des deutschen Exporterfolgs bangen, sehen andere in dem stärkeren Arbeitskosten-Anstieg ein positives Signal. Gestiegene Löhne als Ursache bildeten Impulse für eine stärkere Binnennachfrage und eine Abkehr von der extremen Exportlastigkeit. Für die deutsche Wettbewerbsposition dürfte wichtig sein, wie sich die Lohnnebenkosten weiter entwickeln. Hier kommt es nicht zuletzt auf die Politik der neuen Bundesregierung an.

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