Wie nachhaltig kann Outdoormode sein?

München – Ob beim Skifahren, Snowboarden, Eisklettern oder Tourengehen: Wintersport führt in die Natur. In Zeiten, in denen Klimaschutz im Zentrum gesellschaftlicher Debatten steht, sind auch die Outdoor-Bekleidungshersteller bemüht um einen grünen Fußabdruck.

Denn das ist nicht nur gut für den Planeten – es lässt sich auch gut verkaufen, selbst wenn viele Lösungen noch nicht das Nonplusultra in Sachen Nachhaltigkeit sein dürften. Das zeigt sich in geballter Form auf der Ispo in München. Die Sportartikelmesse (noch bis 29. Januar) ist eine Leistungsschau der Textilfirmen – und Nachhaltigkeit ist dort das beherrschende Thema.

Recycelte Garne, kompostierbare Jacken, Verzicht auf Imprägnierungen: Das grüne Bemühen ist zugleich ein dichtes Gestrüpp an Begrifflichkeiten, durch das sich Verbraucher durchkämpfen müssen.

Wie Bio im Supermarkt

«Es gibt Marken, die schon ein paar Jahre dabei sind und sehr nachhaltig sind. Aber jeder versucht, mit dem Begriff hausieren zu gehen – das ist im Grunde wie im Lebensmittelbereich mit dem Thema Bio», sagt der Fachjournalist Ralf Stefan Beppler.

Man könnte es auch anders formulieren: Manche meinen es ernst mit dem Bemühen um einen grüneren Fußabdruck, während andere das zwar kundtun, aber in Wirklichkeit nur eine Art «Greenwashing» betreiben – sich also als umweltbewusst hinstellen, obwohl sie es nicht sind und Nachhaltigkeit vor allem als Marketingthema begreifen. «Das ist natürlich eine Schwierigkeit», sagt Beppler. Für durchschnittliche Outdoormode-Käufer ist es kaum möglich, den Unterschied zu erkennen.

Um Funktionen wie Wasserdichtheit und Atmungsaktivität zu gewährleisten, setzen Firmen auf ausgeklügelte Technologien, bei denen Kunststoff in der Regel eine zentrale Rolle spielt. In den Produktbeschreibungen stehen dann zum Beispiel «Frei von PFCec», «Eco-DWR-Behandlung» oder andere Bezeichnungen, die aber ohne Grundwissen in der Materie nicht wirklich zu entschlüsseln sind.

Kritik an einem Kürzel

Das Kürzel PFCec zum Beispiel stört Beppler. Das ec stehe für «without environmental concern». «Das heißt übersetzt: Die Hersteller behaupten, es gebe PFC ohne Auswirkungen auf die Umwelt.» Doch frage man das einen Chemiker, würde er verneinen. «Was es gibt, sind PFC, wo man nicht genau weiß, wie sie sich auf die Umwelt auswirken.»

Diese Kritik zielt zum Beispiel auf den Membranhersteller Gore, dessen Gore-Tex-Produkte sehr viele Firmen einsetzen. Man wolle bis zum Jahr 2023 alle ökologisch bedenklichen PFC (PFCec) aus den Lebenszyklus seiner Outdoorprodukte eliminieren, heißt es von Gore.

Das Fluorpolymer PTFE etwa zählt aus Sicht des Herstellers nicht zu den ökologisch bedenklichen PFCs. Das ist jedoch umstritten – andere Membranhersteller verzichten ausdrücklich auf diesen Stoff.

Frei von Imprägnierung

Und was ist DWR? Das Kürzel meint im Prinzip die Imprägnierung einer Textilie. Häufig werben Hersteller damit, dass sie PFC-frei sei. Das französische Label Picture Organic Clothing wiederum hat in der neuen Membran XPore weder polyfluorierte Chemikalien (PFC) noch Lösungsmittel und verzichtet auf eine Imprägnierung. Auch Helly Hansen setzt bei seinem Lifa-Gewebe keine Imprägnierung ein. Das Gewebe halte das Wasser auch so ab, sagt ein Unternehmenssprecher.

Generell mehr Klarheit und weniger kryptische Technologien wären aus Bepplers Sicht wünschenswert: «Komplizierte Bezeichnungen und nicht ganz richtige Behauptungen machen es für Verbraucher kompliziert.» Es wäre einfacher, würde die Branche klarer reden, meint der Experte.

Daunenjacke auf den Kompost

An Ansätzen für mehr Nachhaltigkeit in der Wintersportmode im Speziellen und der Outdoormode im Allgemeinen mangelt es indes nicht.

Die Daunenjacke Farbaute des schwedischen Herstellers Klättermusen zum Beispiel ist kompostierbar. Drei Monate soll es dauern, dann seien von der Textilie nur noch der Reißverschluss, die Druckknöpfe und ein Haufen Erde übrig. «Das muss aber schon ein aktiver Kompost sein, das kann nicht jeder Haufen», schränkt eine Mitarbeiterin am Messestand des Herstellers ein.

Ein ähnliches Ziel haben die synthetischen Bio-Fasern von Primaloft, die ab der Saison 2020/21 erstmals zum Einsatz kommen – zum Beispiel in Produkten von Horse Feathers, Jack Wolfskin oder Maloja. Unter bestimmten Bedingungen, wie sie etwa auf Müllkippen vorherrschen, verdauen Mikroorganismen die Fasern und zersetzen die Inhaltsstoffe. Wasser, Kohlenstoffdioxid, Methan und Biomasse sollen übrig bleiben.

Wenn aus Altem Neues wird

Der deutsche Hersteller PYUA recycelt alte Textilien und produziert daraus neue Kleidung – Closed-Loop-Recycling nennt der Hersteller das, also ein geschlossener Kreislauf der Wiederverwertung.

«Solange wir an Kreislauflösungen arbeiten, ist nichts schlimm an Plastik», sagte Rüdiger Fox, Geschäftsführer des Membranherstellers Sympatex in einer Diskussionsrunde auf der Ispo. Denn Recycling spare Energie und Rohstoffe. Doch es ist längst nicht bei allen Produkten möglich. «Reines Polyester ist einfach zu recyceln» – doch ist eine Jacke oder Hose aus vielen Kunststoffen gefertigt und nicht mindestens nahezu sortenrein, wird es eben schwierig.

So ist es aus Fox‘ Sicht zu kurz gedacht, wenn Firmen zwar recycelte Materialien verwenden, sie aber mit anderen Stoffen mischen, so dass diese nach dem Ausrangieren nicht mehr wiederverwendet werden können. «So verschiebt man die Belastung nur auf spätere Jahre.» Sympatex nutzt Fox zufolge ausschließlich recycelbare Membrane und Laminate.

Hanf gegen müffelnde Füße

Ein weiterer Nachhaltigkeitsansatz sind Naturstoffe. So setzt etwa der auf Outdoorkleidung für Kinder und Jugendliche spezialisierte Hersteller Isbjörn of Sweden in der Funktionsunterwäsche Husky Baselayer nun Bambusfasern an der Innenseite ein. Sie sollen Schweiß von der Haut wegleiten und sich außerdem besonders weich anfühlen.

Eine andere Pflanze, die immer häufiger im Zusammenhang mit Outdoorkleidung genannt wird, ist Hanf. Der Vorteil: Für den Anbau braucht es kaum künstliche Bewässerung und meist keine Pestizide. Als Garn verarbeitet, soll Hanf Gerüche hemmen – nachvollziehbar also, dass der Hersteller Royal Robbins Socken aus Hanf produziert. Daneben enthalten sie auch Haar von Yaks, das antibakteriell wirken soll – und laut dem Hersteller ebenfalls gegen das Müffeln der Füße hilft.

Fotocredits: Pyua,Isbjörn of Sweden,Royal Robbins,Frommel Fotodesign,Helly Hansen,Klättermusen,Frommel Fotodesign,Picture Organic Clothing
(dpa/tmn)

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