Werkschau: Videokunst von Harun Farocki

Zwischen Kino und Museum bewegt sich die künstlerische Arbeit des gebürtigen Tschechen Harun Farocki. Für den deutschen Regisseur Christian Petzold schrieb er unter anderem das Drehbuch zu dessen Film „Gespenster“, doch bekannt wurde er vor allem durch die Medieninstallation „Deep Play“ für die Documenta XII. Das Kölner Museum Ludwig widmet Farocki jetzt bis zum 7. März 2010 eine umfassende Ausstellung mit begleitendem Filmprogramm.

Über 90 Filme hat der ehemalige Redakteur der Zeitschrift „Filmkritik“ bis heute realisiert. Farockis Spezialgebiet ist dabei allerdings nicht der Spiel-, sondern der Essayfilm, eine besondere Spielart der Dokumentation, bei welcher der Off-Kommentar ohne objektive Autorität eingesetzt wird. Beispiele dieser bemerkenswerten Sonderform zeigt das Kölner Museum Ludwig im Rahmen einer Werkschau des Künstlers.

So ganz lassen sich die Grenzen zwischen Reportage, Film und Videoinstallation bei Farocki nicht ziehen. Ganz dezidiert für den Museumskontext arbeitet er dabei jedoch erst seit Mitte der 90er Jahre. Installationen mit Mehrfachprojektionen laden den Zuschauer zur aktiven Reflexion ein – zum Beispiel über Shopping Malls.

Seine jüngste Arbeit „Immersion“ setzt sich mit einer Software auseinander, die vom US Department of Defense für militärische Zwecke entwickelt wurde: „Virtual Iraq“ dient zur Ausbildung und posttraumatischen Behandlung von Soldaten. Den Einfluss militärischer Bildästhetik auf die allgemeine Realitätswahrnehmung hatte Farocki bereits zuvor in seiner Trilogie „Auge / Maschine“ unter die Lupe genommen. „Immersion“ ist Teil der aktuellen Ausstellung.

Das begleitende Filmprogramm beginnt am 6. November und ist auf acht Termine verteilt. Zusätzlich erscheint unter dem Titel „Rote Berta Geht Ohne Liebe Wandern“ eine Art Autobiografie des Künstlers bei StrzeleckiBooks.

Tickets für die Ausstellung kosten regulär 9, ermäßigt 6 Euro.
Der Eintritt für das Filmprogramm liegt bei 5, im Fall von Überlänge bei 6,50 Euro.

Öffnungszeiten im Museum Ludwig:
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr
jeden ersten Donnerstag im Monat 10 bis 22 UhrSimilar Posts: