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Sigmar Polke: Die Editionen – Ausstellung im Museum Ludwig Köln

Zusammen mit Gerhard Richter hatte der in Niederschlesien geborene Sigmar Polke in den frühen 60er Jahren den ironischen Begriff des „Kapitalistischen Realismus“ begründet und sich später als Vertreter einer deutschen Version der Pop Art begriffen. Das Kölner Museum Ludwig besitzt dank einer großzügigen Schenkung die europaweit größte Sammlung der sogenannten „Editionen“ des Künstlers und macht sie nun ab dem 4. Juli zum Gegenstand einer umfangreichen Ausstellung.

Dass man sich nicht darauf verlassen könne, eines Tages gute Bilder geliefert zu bekommen, sondern die Sache stattdessen „selber in die Hand nehmen“ müsse, diese ebenso ironische wie imperative Weisheit Sigmar Polkes beschreibt nicht nur seine eigene Arbeitsphilosophie, sondern gehört im Grunde auch über die Eingangstür jeder Kunstschule. „Höhere Wesen befehlen: Rechte obere Ecke schwarz malen!“ heißt eines seiner bekanntesten Werke, und es besagt nicht weniger, als dass die Entfernung von traditionellen Kunstvorstellungen immer auch eine Entfaltung des Hegelschen Weltgeistes ist.

Bei Polke darf man sich jedoch nie sicher sein, ob er es wirklich ernst meint. Als er 1963 in augenzwinkernder Abgrenzung vom „Sozialistischen Realismus“, der offiziellen Kategorisierung der DDR-Kunst, den Begriff des „Kapitalistischen Realismus“ mitbegründete, war zugleich auch eine programmatische Absetzung von kritiklosem Fortschrittsglauben und hemmungslosem Massenkonsum beinhaltet.

Massenprodukte stellten dann in der Folge auch immer wieder Themen seiner Arbeit dar, weshalb er sich selber bald schon als Vertreter einer deutschen Variante der amerikanischen Pop Art begriff. Doch statt es in seinen Rasterbilder etwa Roy Lichtenstein nachzutun und ein vorgegebenes Motiv in eine feste Punktestruktur aufzulösen, ging er den entgegengesetzten Weg und setzte ein visuelles Ganzes erst synthetisch zusammen.

Die „Editionen“ Polkes beschäftigen sich vor allem mit den Techniken der Reproduktion, offenbaren sie als Mittel der Manipulation und verfremden sie zugleich für eigene Zwecke. Im Gegensatz zu seinen Künstlerkollegen nutzte Polke seit Mitte der 60er den Offsetdruck. Unikate und Massenproduktionen, die damals als Inserts von Zeitschriften erschienen, sind gleichermaßen Bestandteil von Polkes Werk. Indem er sich die reproduktiven Techniken und Materialien der Massenkommunikation im Druck zunutze macht, führt er seine Inhalte zugleich auf ihre Medien zurück.

Umso wirkungsvoller geraten Polkes Manipulationen. Bearbeitungen des Materials im Druckprozess sind dabei ebenso relevant wie perspektivische Verzerrungen und wiederholtes Abbilden. Hierbei greift er gerne zum Fotokopierer und nutzt ihn als Instrument. Abgebrochene oder beschleunigte Belichtungsprozesse führen zu sichtbaren Verfremdungseffekten, die vom ursprünglichen Motiv nicht viel übrig lassen.

Das Kölner Museum Ludwig zeigt seine Sammlung der „Editionen“ vom 4. Juli bis zum 27. September Dienstags bis Donnerstags jeweils von 10 bis 18 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein Audioguide, sowie ein Katalog. Der reguläre Eintrittspreis beträgt 9 Euro.Similar Posts: