Peaches does Herself: Schräges Musical in der Hauptstadt

Für die kanadische Electroclash-Sängerin Merrill Beth Nisker ist keine Provokation zu gewagt. Als Kunstfigur Peaches ist sie seit 2000 eine echte Gegenbewegung zum Banal-Pop – auch wenn sie schon mal ein Duett mit Pink aufgenommen hat. Mit „Peaches does Herself“ fasst sie jetzt ihre bisherige Karriere in Form einer Art Musical zusammen.

[youtube ivnozf6sEH4]

Peaches ist Berlin offenbar verbundener als ihrer kanadischen Heimat. Beim Hauptstadt-Label Kitty-Yo erschien einst ihr Debütalbum „The Teaches of Peaches“, die Berliner Rockband „Sweet Machine“ ist seit 2007 ihre ständige Tour-Begleitung, und der aktuelle Wohnort der schrägen Musikerin liegt ohnehin an der Spree. Konsequenterweise gibt es ihr autobiografisches Musical deshalb auch zuerst im Berliner HAU zu sehen.

Gänzlich ohne Dialoge, sondern ausschließlich strukturiert durch 24 ihrer Songs, erzählt „Peaches does Herself“ auf denkbar schräge Weise den Werdegang der Kunstfigur und ihrer Alben. Vergleichbar mit anderen Musiker-Musicals – wie etwa der in den Startlöchern befindlichen Bühnenshow „Hinterm Horizont“ von Udo Lindenberg – ist diese seltsame Melange aus Performance und absurdem Theater allerdings nicht.

Mit der 65-jährigen Stripperin Sandy Kane und dem Transsexuellen Danni Daniels holt Peaches, die sich selber spielt, zwei Charaktere auf die Bühne, die vor allem das Spiel mit Alter, Schönheitsidealen und Geschlechterrollen auf gewollt plakative Weise repräsentieren, ohne dabei Rücksicht auf Geschmack oder Konsens zu nehmen.

Kane präsentiert ihren längst nicht mehr taufrischen Körper möglichst provokant und ist im Umgang mit Requisiten aus dem Sexshop nicht gerade zimperlich. Auch Daniels scheut sich keineswegs, seinen Hybridkörper, ausgestattet mit männlichen Genitalien und durch Silikonimplantate feminisiert, offen und stolz zu zeigen. Manchem Zuschauer mag das zuviel sein, doch bei Peaches muss man eben mit allem rechnen.

Zunächst gibt es „Peaches does herself“ lediglich bis zum 31. Oktober zu sehen. Ob weitere Termine nachgeschoben werden, ist derzeit noch offen. Tickets kosten regulär zwischen 11 und 18 Euro, sowie ermäßigt 7 Euro.

HAU – Hebbel am Ufer, Hallesches Ufer 32, 10963 BerlinSimilar Posts: