Karsten Bott: Von Jedem Eins – Sammeln als Kunst

Zahnbürsten, Schneebesen oder Joghurtbecher sind nicht unbedingt Gegenstände, von denen man im Allgemeinen ganze Sammlungen anlegt. Der Frankfurter Künstler Karsten Bott sieht das seit über 20 Jahren völlig anders. Sein geradezu erschreckend umfangreiches Archiv von Alltagsdingen gibt es derzeit in der Kunsthalle Mainz zu sehen.

Gebrauchsgegenstände ohne nennenswerten materiellen Wert nennt Karsten Bott „Geschichtsdokumente der Menschheit“. Über eine halbe Million Objekte aus dem täglichen Leben hat er deshalb seit 1988 in seinem „Archiv für Gegenwarts-Geschichte“ zusammengetragen und katalogisiert. Auf einer Fläche von 600 qm lässt sich jetzt unter dem Titel „Von Jedem Eins“ eine Auswahl von 300.000 Exponaten betrachten.

Die Kunsthalle Mainz hat zu diesem Zweck einiges an Raum freimachen müssen, doch der Anblick des skurrilen Archivs scheinbarer Belanglosigkeiten bietet dafür auch einen ganz besonderen Reiz. Teils in Vitrinen, auf Regalreihen oder ganz einfach auf dem Boden ausgebreitet, findet sich ein kaum überschaubares Maß an Alltagsgegenständen, sortiert nach Themen, Gruppen oder Typen.

Vielfach können einzelne Exponate aber auch unterschiedlichen Feldern zugeordnet sein, denn den Künstler interessiert vor allem, welche Relevanz bestimmte Gegenstände für die Menschen in jeweiligen Zusammenhängen haben, und wie die Objekte in Beziehung zueinander stehen. Bott ist dabei im Grunde Konzeptkünstler, der über den Umweg des scheinbar Banalen auf der Suche nach einem Zugang zum Wesen der Dinge ist.

Die Mainzer Ausstellung ist die bislang umfangreichste Präsentation von Botts Archiv. Sie wurde unterstützt durch die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur und ist noch bis zum 1. Mai zu sehen.

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Kunsthalle Mainz
Am Zollhafen 3–5, 55118 Mainz

Öffnungszeiten:
Di, Do, Fr 10 – 17 Uhr
Mi 10 – 21 Uhr
Sa, So 11 – 17 Uhr

Eintritt:
Regulär 5, ermäßigt 2 Euro

(Abbildung: Karsten Bott: Von Jedem Eins [Ausstellungsansicht, Halle 3] Kunsthalle Mainz, 2011, © Karsten Bott/VG Bild-Kunst, Bonn 2011, Fotografie: Erik Staub)Similar Posts: