Casper: Hip Hop für alle auf Platz 1

Weil er im Sommer immer so bleich gewesen sei, habe er den Namen „Casper“ bekommen, benannt nach dem niedlichen Cartoon-Gespenst. Für besondere Härte spricht das nicht. Und so ist das, was Casper als Hip Hop präsentiert, in Wahrheit auch kreuzbrav. Aber muss es deshalb auch schlecht sein? Die Charts sahen sein aktuelles Album jedenfalls umgehend auf Platz 1 einsteigen.

Als „Emo-Rapper“ bezeichnet ihn so mancher, der mit der wenig widerspenstigen Musik des Bielefelders eher nichts anfangen kann. 1Live, der Jugendsender des WDR, setzte in den vergangenen Wochen einiges daran, dem Nachwuchskünstler ausgiebig auf die Sprünge, und damit in die Charts zu helfen. Ein Radiokonzert mit praktisch einwöchiger Vor- und Nachberichterstattung hat zur Bestplatzierung seines Albums „XOXO“ in der ersten Woche jedenfalls sicher einiges beigetragen.

Kostenlos konnte man Casper unter anderem zuletzt auf der Rheinkultur 2011 sehen, aber auch sonst hat die Marketingmaschinerie vom Fanta4-Label Four Music in den letzten Wochen kräftig aufs Gas gedrückt. Dabei steht der Rapper weniger für das musikalische Genre, das er formal nutzt, als vielmehr für echten Mainstream. Das muss jedoch nicht per se schlecht sein.

Casper verfügt unbestreitbar über eine einprägsame Stimme, so angeraut, dass er auch mal den Werbesong von Beck’s singen könnte. Seine Texte sind oftmals von persönlicher Natur und arg nachdenklich. Mit Hip Hop hat das alles wenig zu tun. Aber wer ihn Deutschland hat das schon?

Für gute Verkaufszahlen reicht das allemal aus, denn der Bedarf nach deutschsprachiger Musik ist ungebrochen groß. Dass ihre jüngeren Vertreter einfach nur nett sein und unter gar keinen Umständen anecken wollen, kann zwar erheblich nerven, ist aber für gute Verkaufszahlen offenbar unumgänglich. Casper wird wohl alleine schon deshalb keine Eintagsfliege bleiben.Similar Posts: