Zensur oder einfach Nonsens: Mark Twain wird politisch korrigiert

Wenn man es allen recht machen will, verliert man ganz schnell jegliches Profil. Ähnlich soll es in Kürze auch Mark Twain ergehen. Der Literaturprofessor Alan Gribben hat jetzt mit der Ankündigung für Aufsehen gesorgt, in einer von ihm besorgten Ausgabe zweier Bücher des Autors auf Political Correctness zu setzen.

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Ganz schön absurd muss einem das erscheinen, was der Mann von der Auburn University da vorhat: Eine kommende Doppelausgabe von Mark Twains „Tom Sawyer“ und „Huckleberry Finn“ soll aus dem „Nigger Jim“ den „Sklaven Jim“ machen, und aus der „Rothaut“ einen „Indianer“. Auf den ersten Blick mag man an einen schlechten Scherz glauben, doch Alan Gribben meint das völlig ernst.

Die Ankündigung löste rasch eine heftige Debatte über Zensur und Meinungsfreiheit aus. Doch das Problem ist weniger die seltsame Idee des Literaturprofessors, als vielmehr ein arg schiefes Verständnis von Political Correctness seitens einer breiten Leserschaft.

Twains Bücher wurden tatsächlich längst von den Lehrplänen vieler amerikanischer Schulen gestrichen, und keine anderen Titel wurden in US-Leihbibliotheken derart oft reklamiert. Gribben selber kennt ähnliche Erfahrungen aus seinen Vorlesungen, bei denen sich regelmäßig Zuhörer durch den Gebrauch des N-Wortes beleidigt fühlen.

Dass es sich hierbei um historische Texte handelt, scheint in den Köpfen nicht angekommen zu sein, zumal die betreffenden Bücher bereits über 120 Jahre alt sind (erschienen 1976 bzw. 1885). Der Literaturprofessor zieht aus seiner Perspektive also lediglich eine Konsequenz, um Twains Bücher einer breiteren Leserschaft ohne derartig irrationale Ressentiments wieder zugänglich zu machen.

Dass man Derartiges nicht gut heißen kann, steht auf einem anderen Blatt. Doch da beide Bücher längst Public Domain sind, und es alleine in den USA Hunderte von Ausgaben gibt, braucht man sich um eine grundsätzliche Verfälschung der Texte wohl kaum Sorgen zu machen.Similar Posts: