Oper oder Performance? Matthew Barney interpretiert Norman Mailer

Es gab Zeiten, da arbeitete der amerikanische Medien- und Performance-Künstler Matthew Barney bevorzugt mit Vaseline. Aber auch sonst ist das, was er so macht, durchweg merkwürdig, gewagt und vor allem ziemlich monumental. Derzeit arbeitet er an einer Interpretation eine Romans von Norman Mailer. Erst sollte es eine Oper werden, jetzt eine siebenteilige Performance.

Kein Werk der modernen Videokunst ist so gewaltig und ausufernd wie Matthew Barneys 5-teiliger Cremaster-Zyklus. Weder im Museum noch im Kino ist das Mammutwerk wirklich richtig zuhause, aber Barney setzt sich nunmal gerne zwischen alle Stühle. Nicht anders verhält es sich bei seinem aktuellen Projekt, das sich um den Roman „Ancient Evenings (dt.: Frühe Nächte)“ von Norman Mailer dreht.

Schon für „Cremaster 2“ hatte der Ehemann von Sängerin Björk ein Buch von Mailer in gewissem Sinn zur Vorlage gewählt. „The Executioner´s Song“ über den Mehrfachmörder Gary Gilmore bildete damals die Grundlage, jetzt soll es ein weiterer literarischer Wurf des mittlerweile verstorbenen US-Autors sein.

Als „Libretto“ hatte er eine erste Ausstellung hierzu bezeichnet, die von Ende März bis Anfang Mai in der Gladstone Gallery in Brüssel zu sehen war. Gezeigt wurden Bilder zu einer Oper nach der Mailer-Vorlage, die Barney zum damaligen Zeitpunkt gerade zusammen mit dem Komponisten Jonathan Bepler entwickelte. Begleitend zu den Exponaten waren sieben Paperback-Versionen von „Ancient Evenings“ zusammen mit anderen Büchern in Vitrinen verfrachtet und zu Skulpturen verarbeitet worden.

Vielleicht wird aber jetzt doch etwas ganz anderes aus dem Vorhaben. Dem Kunstmagazin „Monopol“ erzählte Barney jüngst von einem 7-teiligen Performance-Zyklus nach Vorlage des Romans. Immerhin: Ein erster Vorbote war bereits im Mai 2008 in Los Angeles aufgeführt worden.Similar Posts: