„Morality“: Bar Refaeli posiert nackt für Stephen King

Derzeit kursiert im Netz ein unkommentierter Schwarzweiß-Clip, der das israelische Topmodel Bar Refaeli dabei zeigt, wie sie sich gänzlich unbekleidet auf einem Sofa räkelt und dabei lasziv in die Kamera blickt. Die virale Marketing-Kampagne verkauft Gerüchten zufolge eine Kunstausstellung. Eine ähnlich wirksame Idee nutzte das amerikanische Esquire-Magazin, als sie Leonardo Di Caprios Lebensgefährtin jüngst zum Covergirl machte – mit nichts auf der Haut als einer neuen Kurzgeschichte von Stephen King.

Wenn es um ungewöhnliche Vermarktungsideen geht, ist der Bestseller-Autor aus Maine einem Experiment gegenüber nie verschlossen. „The Green Mile“ publizierte er 1996 etwa als sechsteiligen Fortsetzungsroman im Abstand von jeweils einem Monat. „Silver Bullet“ war ursprünglich nur als monatlicher Begleittext eines illustrierten Jahreskalenders erhältlich, und mit „Desperation“ bzw. „Regulator“ schrieb er dieselbe Geschichte einfach mal aus zweierlei Perspektive und veröffentlichte eine der beiden Fassungen unter seinem ehemaligen Pseudonym Richard Bachman.

Das Konzept, einen Roman gegen eine geringe Gebühr in mundgerechten Stücken per Internet zu verkaufen, scheiterte jedoch. Während des Schreibprozesses von „The Plant“ gingen dem Meister schlicht die Ideen aus. Als viel einfacher und ästhetisch auch ansprechender muss er da den Gedanken empfunden haben, seine neueste Kurzgeschichte auf dem Körper eines Supermodels zu publizieren. Das US-Magazin „Esquire“, das die Erstveröffentlichungsrechte erworben hatte, bewarb auf diese Weise seine Juli-Ausgabe und ließ Bar Refaeli auf dem Cover zum Leseobjekt werden. Dass Kings Geschichte zudem den Titel „Morality“ trägt, tut sein Übriges.

Inhaltlich geht es dem Autor von Millionenbestsellern wie „The Shining“ oder „Mysery“ jedoch weniger um nackte Haut als um Versuchungen ganz anderer Art. Das amerikanische Durchschnittspärchen, das King genüsslich vor eine ebenso verlockende wie bedenkliche Entscheidung stellt, leidet nämlich unter den Folgen der Rezession. Chad arbeitet als Aushilfslehrer und Nora kümmert sich um Pflegebedürftige. Doch das Geld reicht vorne und hinten nicht. Als einer von Noras Kunden, ein Reverend im Ruhestand, ihr für einen kleinen Gefallen ganze 200.000 Dollar verspricht, gerät sie in einen gehörigen Gewissenskonflikt. Ein einziges Mal in seinem Leben will der Pastor eine echte Sünde begehen, und da er selber an den Rollstuhl gefesselt ist, soll Nora ihm bei seinem perfiden Plan assistieren.

Mit gewohnter Erzählroutine hält King eine ganze Weile offen, worum es in dem teuflischen Deal eigentlich geht, und während sich die Geschichte offenbar auf ein ganz bestimmtes Ziel hin zu bewegen scheint, schleicht sich ganz nebenbei eine fatale Verwandlung der Figuren ein, die nicht folgenlos bleibt. Weniger eine Horrorgeschichte, wie man sie am ehesten mit dem Autor assoziieren würde, als vielmehr eine skizzenhafte Psychostudie, ist „Morality“ aber vor allem eins: Ziemlich gemein.

Wer sich selber ein Bild machen will, kann die komplette Kurzgeschichte mittlerweile auch in der Online-Ausgabe des Magazins nachlesen.Similar Posts: