Andreas Gehrke: Topographie

Ziemlich belanglos wirken die Aufnahmen aus dem Fotoband „Topographie“ des Berliners Andreas Gehrke. Doch was der unter dem Namen Nashe bekannte Architekturfotograf dort abbildet, sind in Wahrheit Orte des Grauens. Dort wo heute friedliches Grün wächst, wütete einst der NS-Terror.

Mitten in Berlin findet sich ein etwas verwildert wirkender Robinienwald. Doch erst seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist das Gelände eine unbebaute Freifläche. Zwischen 1933 und 1944 hingegen fanden sich hier die Zentralen von Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt. Nichts davon ist in den Bildern von Andreas Gehrke erkennbar. Doch gerade deren intendierte Harmlosigkeit lässt den Schrecken spürbar werden.

Gehrkes Aufnahmen sind völlig wertneutral, denn sie zeigen scheinbar Belangloses. Ähnlich den Fotografien eines Joel Sternfeld aus der Serie „On this Site“, die Orte abbilden, deren grausame Vergangenheit ausschließlich in Form kurzer Begleittexte vermittelt wird, zeigen die Bilder des Geländes keinerlei Spuren jenes Terrors, der hier über ein Jahrzehnt lang organisiert und verwaltet wurde.

Anfang der 60er Jahre hatte man alle Gebäudereste abgerissen, danach wuchs das Grundstück zu. Erst 1987 wurde es parallel zur Ausstellung „Topographie des Terrors“ wieder zugänglich gemacht. Gehrke fotografierte das Areal ein Jahr lang. Herausgekommen ist eine Bilderserie, die nichts vorschreibt, sondern vielmehr zum Nachdenken anregt.

In Buchform umfasst sie 130 Seiten mit rund 50 Bildern, sowie zweisprachigen Texten von Klaus Hesse, Kurator der Stiftung Topographie des Terrors, und Thomas Seelig, Sammlungskurator am Fotomuseum Winterthur.

***

Andreas Gehrke: Topographie
Distanz Verlag, Hardcover
ISBN 978-3-942405-30-0Similar Posts:

Werbung