50 Shades of Grey: Von der Fan-Fiction zum Bestseller

Ganz klar, es ist weltweit das derzeit meistdiskutierte Buch, doch so mancher mag hinzufügen: auch das belangloseste. Bei „50 Shades of Grey“ scheiden sich die Geister. Während die seriöse Literaturkritik angesichts eines mittelmäßigen Schreibstils und einer breiten Ansammlung von Klischees die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, kann vor allem eine weibliche Leserschaft die eigene Begeisterung kaum ausgiebig genug zum Ausdruck bringen.

Warum man bei der deutschen Ausgabe die „50“ im Titel gestrichen hat, verstehen wohl nur die Marketingverantwortlichen beim Goldmann-Verlag. An den Verkaufszahlen ändert es jedenfalls nichts, und da die Bild-Zeitung derzeit nahezu täglich über das Buch berichtet, ist der Hype, den die Romantrilogie bereits in den USA und anderen Ländern ausgelöst hat, mittlerweile auch in Deutschland angekommen.

Die Geschichte der 21-jährigen Literaturstudentin, die dem millionenschweren Unternehmer Christian Grey verfällt und zusammen mit ihm jede Menge BDSM-Fantasien auslebt, ist für manchen Kritiker in etwa so erotisch wie ein Leberwurstbrot und literarisch auch genauso wertvoll. Sprache und Themenbehandlung fallen denkbar einfach aus. Der bislang in deutscher Übersetzung erschienene erste Teil jedenfalls liest sich wie Wasser.

Doch die zumeist weiblichen Leser stört das wenig, und der Kult um die schwülstige Trilogie wächst beständig. Seinen Ursprung hat der Weltbestseller und Erstling der Autorin E. L. James – im bürgerlichen Leben Erika Leonard – im Umfeld der „Twilight“-Fanfiction. Unter dem Titel „Master of the Universe“ hatte James im Netz eigenverfasste sexuelle Eskapaden der Hauptfiguren Bella Swan und Edward Cullen veröffentlicht und diese später zu einer eigenständigen Geschichte verarbeitet.

Bereits als e-Book und im Print-on-Demand verkaufte sich die Trilogie gut genug, um schließlich einen Großverlag anzulocken. Mittlerweile sind die Rechte in rund 40 Länder verkauft, und über 20 Millionen Exemplare gingen über den Ladentisch. Eine Verfilmung steht ebenfalls an, und kein Geringerer als „American Psycho“-Autor Bret Easton Ellis bemüht sich ausgiebig darum, das Drehbuch verfassen zu dürfen. Wie ernst er das allerdings wirklich meinen mag, steht auf einem anderen Blatt.Similar Posts: